Sonntag "Quasimodogeniti" - 19. April 2020

Was stimmt denn da?
Was gehört zu Ostern?

Die Wiederkehr des Frühlings, Blumen im Garten, viele bunte Eier und Hasen, die sie angeblich bringen. Um den christlichen Kern des Festes haben sich - nicht anders als bei Weihnachten - viele Schalen gelegt, die den Ursprung eher verdecken als verdeutlichen.

Wieso? Geht es nicht um die Fruchtbarkeit, um neues Leben? Und sind Eier, Hasen und Osterglocken nicht einfach liebe kleine Symbole dafür?

Nein, es geht nicht um Fruchtbarkeit, nicht um neue Blätter, nicht um Kindersegen, nicht um die längeren Tage - um all das geht es nicht. Und hätte Jesus auf der Südhalbkugel gelebt, wäre auch kaum jemand auf solche Gedanken gekommen.

Worum also geht es an Ostern? Um die Durchbrechung einer Grenze! Also nicht darum, dass ein alter Baum wieder ausschlägt, dass die Natur aus dem Winterschlaf erwacht - sondern darum, dass ein Mensch, der tot war, wieder lebendig wurde. Das ist etwas ganz Anderes!

Was gehört zu Ostern? Das Staunen, der Unglaube, der Zweifel. Alle Osterberichte in den Evangelien erzählen uns davon, mehr oder weniger ausführlich. Vom Erschrecken der Frauen am Grabe, vom Unglauben der Jünger. Und vom Zweifler Thomas. Auch seine Geschichte gehört zu den Osterberichten, gerade seine Geschichte.

Alle waren sie da gewesen an jenem Sonntagabend als Jesus seinen Jüngern erschien, Thomas aber nicht. Vielleicht hatte er sich verkrochen, wollte mit seiner Verzweiflung allein sein. Aber dann treffen ihn die anderen Jünger doch wieder und berichten ihm von dem, was sie erlebt haben und wie Jesus zu ihnen gekommen ist: Wir haben den Herrn gesehen. Und Thomas? Er ist, wie er ist - nicht leicht zu entflammen, kritisch, skeptisch: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben.

Der nächste Sonntagabend gibt ihm Gelegenheit, seine Skepsis zu überwinden. Thomas ist gekommen. Er zweifelt vielleicht an der Wahrheit dessen, was ihm die anderen Jünger berichtet haben, aber er tut es auch nicht ab, dazu hängt er ja auch zu sehr an seinem Herrn.

Alle sind versammelt. Und dann ist Jesus auch da, obwohl keine Tür geöffnet wurde; ist da, mitten unter seinen Jüngern. Und er weiß schon, was Thomas bewegt. Er spricht ihn direkt an: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!

So geht es an Ostern um viel mehr als geschmolzenes Eis und bunte Eier. Wir feiern nicht die Natur, sondern, dass sie und unsere Wirklichkeit nicht der letzte Horizont sind.
Wir dürfen also zweifeln. Wir sehen es an Thomas.

Wir dürfen zweifeln. Wir dürfen Jesus begegnen.

Und am Ende des Zweifels dürfen wir auch wie Thomas glauben und bekennen: Mein Herr und mein Gott!

 

Pfarrer Wolfgang Dörrich

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