Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Holzkirchen • Haidstraße 3 • 83607 Holzkirchen
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Jesus – der Meister der Balance
In vielen Erzählungen im Neuen Testament wird Jesus als ein Meister der Balance beschrieben: Glauben und Leben sind bei ihm in einem Gleichgewicht. Er zieht sich zurück an einsame Orte zum Gebet und dann geht er auf Menschen zu und handelt. Er heilt und macht satt, hilft und teilt. Er zeigt uns: Kontemplation und Aktion gehören zusammen. Auch theologisch hält er die Balance zwischen Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Er vergibt und ermahnt, er findet klare, manchmal scharfe Worte und predigt Sanftmut, versöhnt und vermittelt. Wahrhaftigkeit, Klarheit und eine Solidarität mit den Opfern ist genauso wichtig, wie Barmherzigkeit und Vergebung gegenüber denen, die einen Fehler gemacht haben und es bereuen. Auch hier Glauben und Leben in der Balance. Er wendet sich den Menschen am Rande zu, den Armen, Kranken, Sündern und Zöllnern, aber er kümmert sich auch um die normalen Menschen, die einfachen und sogar die Reichen lädt er ins Reich Gottes ein. Auch hier: kein radikaler Spinner, sondern einer, der die Menschen im Blick hatte mit all ihrer Vielfalt und komplexen Persönlichkeiten. Schauen wir auf seinen Umgang mit den bestehenden Verhältnissen sehen wir auch hier einen ausgewogenen Umgang: ja, manche Tradition aus den Schriften des Alten Testamentes nimmt er auf. Er betet mit den Psalmen, er orientiert sich an den 10 Geboten und dem Doppelgebot der Liebe. Anderes verändert er: „ich aber sage euch“. Seine Bergpredigt verändert den „alten“ Glauben an manchen Punkten sogar radikal. Nicht alles „Alte“ ist schlecht, nicht alles Neue ist gut. Es braucht eben eine Balance.
Wer in der Balance glaubt und lebt, der fällt nicht auf der „einen Seite vom Pferd“, der polarisiert nicht, der denkt nicht in schwarz und weiß, der positioniert sich nicht an den Rändern, der vermeidet Extreme. Auf einer Wippe kann man am besten die Balance halten, wenn man mit seinem Gewicht möglichst in der Mitte steht und mit einem Beinen auf der einen Seite und mit dem anderen auf der anderen steht. Es geht darum, aus der Mitte, aus dem Herzen heraus zu spüren und zu erkennen, was dran ist und was gut und richtig ist. Jesus hat uns das vorgemacht. Er hatte ein gutes Gespür für sich selbst und lebte aus der Mitte heraus, aus seiner Beziehung zu Gott, der für ihn Liebe ist. Dabei soll es nicht darum gehen, dass wir klare Positionen meiden oder nur noch einen Wischi-Waschi Glauben haben. Aber unsere Positionen sind nicht starr und nur auf einer Seite. Sie müssen ständig neu austarriert und gefunden werden. Eine anspruchsvolle Aufgabe in einer Zeit, in der an uns ständig von außen gezerrt wird, uns doch nur auf eine Seite zu schlagen.
Auch wir hier in der Kirchengemeinde Holzkirchen versuchen uns an einem ausbalancierten Glauben und Leben: wir wollen uns allen Menschen zuwenden, offen sein und sie einladen, aber auch unsere Gemeinschaft verbindlich leben. Wir wollen unseren Glauben selbstbewusst leben, aber auch die anderen Religionen respektieren und mit ihnen gemeinsam Gutes bewegen. Wir wollen Spiritualität und soziales Engagement zusammenhalten und alle Generationen einschließen. Anspruchsvoll, aber dem Meister auf der Spur.
Ulrike Lorentz


