Leben Sie in Balance?

Leben Sie in Balance? Hier greifen wir ein scheinbares Lifestyle-Thema auf und möchten Ihnen ausgewählte Facetten vorstellen.

Ein paar Szenen zum Einstieg.

Wochenendtrubel auf dem Marienplatz. Sind Sie schon mal angerempelt worden im Trubel inmitten Selfie schießender Influencer? Oder wurden Sie auf dem U-Bahnsteig umgeschubst kurz vor der Bahnsteigkante, weil es jemand arg eilig hatte, um noch mitzukommen? Wenn es gut geht nur einmal rumgewirbelt, eine Schramme abbekommen, ein schmerzendes Knie, aber es könnte auch anders sein.

Oder wie steht es mit Ihrem Lebensgefühl? Wackelt da etwas bei Ihnen? Zuviel Last auf jeder Schulter? Schon Schüler*innen in der Grundschule zeigen Überlastungssymptome. Wer arbeitet, muss auch noch den Haushalt und die Familie „schaffen“. Und wer etwa noch zu pflegende Angehörige hat, kommt immer öfter an einer Arbeitszeitreduzierung nicht vorbei, um sich nicht selbst aufzuzehren. Wer es nicht selber kennt, erfährt auf Nachfrage schnell mehr als einem lieb ist. Die Work-Life-Balance ist in aller Munde und nach der Diagnose mancher Politiker*innen in Deutschland sehr weit verbreitet. Seltsam nur, dass so viele Menschen zusammenbrechen, nicht mehr in der Lage sind, dem unter ihren Füssen schwanken Boden so zu begegnen, dass sie nicht selbst ins Wanken geraten.

Wie viel Zeit brauchen Sie, um sich auf ständige Veränderungen im Leben einzustellen? Kennen Sie jemanden, der Ihnen die richtigen Tricks verrät, um sich stets neu auf die schnell wechselnden Bewegungen des Lebensraumes bzw. Lebensuntergrundes einzustellen? Wer hat noch Zeit zuzuhören und Hilfen zu suchen, die über TikTok- und Instagram-Instantipps hinausgehen.

Wer eine Seereise macht, braucht manchmal Tage, bis sich Körper und Magen an die rollenden Bewegungen im Auf und Ab der Wellen gewöhnt haben. Für mich ist das ein Beispiel wie heraufordernd es ist, in Balance zu kommen, eine Balance zu halten.

Aber doch möglich. Nach einem Bandscheibenvorfall habe ich lange Zeit jede Woche auf einem Wackelbrett gestanden, um das Zusammenspiel der Muskulatur und des Gleichgewichtssinnes wieder zu trainieren. Es gab keine Abkürzung: Üben dauert zuweilen sehr lange. Was schwach war, musste behutsam gestärkt werden und durfte nicht noch einmal überlastet werden. Haben Sie im Alltag genug Zeit zum Üben? Genug Spielraum, um immer neue Übungen für sich verändernde Herausforderungen sich anzueignen?

Für mich wäre es wunderbar, in der Work-Life Balance zu leben. Anforderungen von verschiedenen Seiten in das richtige Verhältnis zueinander zu bringen, ein gutes Maß für alles zu finden.

Mir kommen da zwei Bilder aus alten Lucky-Luke Cartoons in den Sinn. Der berühmte Cowboy ist bei der Verfolgung seiner Lieblingsfeinde, den Daltons, in der Mitte einer Wippe gelandet und zwei der gefährlichen Brüder versuchen ihn durch heftige auf und ab Bewegungen aus der für ihn bedrohlichen Balance zu bringen.Ein anderes Mal hat er sich auf einem reißenden Fluss zwischen zwei Baumstämme retten können, ein Moment der Balance, doch die treiben genau auf eine scharfe Klippe mitten im Strom zu – wie wird er entkommen?

Als Jugendlicher konnte ich darüber herzlich lachen, im heutigen Alltag sehe ich immer mehr Menschen, für die solche halsbrecherischen Situationen zur „Normalität“ zu gehören scheinen. Welches ist Ihr Balanceakt? Was bringt Sie aus der Balance – und wieder in die Balance?

Ihr Pfarrer Hagen Faust

Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Holzkirchen • Haidstraße 3 • 83607 Holzkirchen
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