Evangelisch-Lutherische_Kirchengemeinde_Holzkirchen
Die Evangelisch-Lutherische
Kirchengemeinde Holzkirchen

... ANgeDACHT

Aufgeschnapptes und Andächtliches, Gedankensprünge für die Seele:
Hier lesen Sie von Hoffnung und Trost, geistreichen Ideen und Impulsen für den Tag.

Impuls zur Karwoche

Gedanken zur eigenen Besinnung - bewusst durch die letzte Fastenwoche
 

In den letzten Wochen habe ich mich und  haben viele Menschen mich gefragt:
Fasten in Zeiten der Entbehrung? Passionszeit und Beschränkung des normalen Lebens?

Wenn man gerade so viel entbehren muss, sogar wichtige Grundrechte - zu recht wie ich finde -, kann man dann auch noch auf Wein, Schokolade, Chips oder was sonst belastet, verzichten? Oder fordert die momentane Lage gerade zu viel Verzicht, sodass man wenigstens ein kleines Schlupfloch in der Schublade, eine Hintertür in der Speisekammer, einen Ausblick für einen schönen Abend oder eine Trostschokolade für zwischenrein braucht?

Passion und Beschränkung scheinen so eng miteinander verbunden und doch nicht wirklich zusammen zu passen.

Zunächst hat Fasten zu tun mit „Frei werden von". Das ist mühsam und bedeutet in der Tat Verzicht. Oft muss man sich zwingen oder ist entmutigt. Nicht schön, nicht frei fühlt sich das an.

Dann aber geht es beim Fasten vorallem um „Frei werden zu". Das macht frei, schenkt pure Freiheit und Energie. Ich fühle mich nicht mehr an meine täglichen Espressoshots gebunden, an meine unangenehmen Seiten, an alle Angst in unsicheren Zeiten.
Gerade diese letzte Fastenwoche, die mit Gründonnerstag und Karfreitag ihren Höhepunkt erreicht, dürfte eigentlich die freieste Woche sein.

Das wird hier nun kein Ratgeber und keine Rechtfertigung, warum die Fastenzeit keine echte sein müsste in Coronazeiten. Es ist ein Appell an die eigene innere Freiheit und das eigene Gewissen, wie Paulus es schreibt: „Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient dem Guten. Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf." (1. Kor 10, 23). Wichtig ist doch herauszufinden, was mich wirklich frei macht und mir guttut – und das zu jeder Zeit, Corona hin oder her.

Dabei muss ich nicht auf meine eigene Freiheit bauen, sondern darf getrost hoffen: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit." (Gal 5, 1).

Christus,
auf den wir hoffen;
den wir mit Karfreitag verloren glaubten;
der Steine ins Rollen bringt und Mächte wanken lässt;
der erscheint im neuen Gewand;
der uns neu glauben, lieben, hoffen lässt;
der uns wirklich frei macht – im Leben, im Tod, zu jeder Zeit.

Doris Wild

 

 

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